Halter Gruppe: Labels und Life-Cycle-Betrachtung

Labels und Life-Cycle-Betrachtung

Der Wunsch nach Labels auf Investoren- und Bauherrenseite ist nachvollziehbar. Sorgen diese doch für eine bessere Vergleichbarkeit der Angebote. Die Betrachtungsweise über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks ist dabei ebenso wichtig. Denn erst da zeigen sich die Zusammenhänge zwischen Lebendsauer, Unterhalts- und Energiekosten.

Oft wünschen Bauherren für ihr Gebäude bestimmte Labels, wie z.B. Minergie. Mit der stark gestiegenen Popularität des Minergie-Labels ist dieses auch zu einem guten Verkaufsargument auf dem Immobilienmarkt geworden und wird tendenziell den Wert einer Liegenschaft  steigern. Hier gilt es, sicher zu stellen, dass die Planungen später auch zu einem bewilligungsfähigen Gebäude führen und dass der Weg zu diesem kostenoptimal erreicht wird. Im Rahmen der Vorgaben des angestrebten Labels gilt es daher, konzeptionelle Richtlinien für Haustechnik, Gebäudehülle oder Saisonspeicherung zu erarbeiten. Damit steigt die Sicherheit in Bezug auf die Zertifizierbarkeit und die reibungslose Realisierung.

Mit dem Blick fürs Ganze

Die marktführenden Labels und Zertifizierungen lassen oftmals auf Kosten der Vergleichbarkeit diverse Aspekte wie Standortqualität, Umgebung und Infrastruktur ausser Acht und beschränken sich auf Konstruktionsweisen, Materialien und theoretische Wärmedämmwerte. Um aber den effektiven Energieverbrauch einer Immobilie zu eruieren, ist eine umfassendere Betrachtungsweise angebracht. Immobilien haben eine lange Lebensdauer. Dabei gilt es den Blick zu schärfen für die Gesamtzusammenhänge. Innerhalb dieser Gesamtbetrachtung können Labels Richtlinien für die Planung geben und einen Beitrag zur strategischen Positionierung einer Immobilie leisten. Ersetzen können sie die Gesamtbetrachtung aber nicht. 

Wer früh handelt, spart Geld

Wie zentral eine umfassend Lebensdauerbetrachtung ist, zeigt sich dadurch, dass 80 Prozent der Kosten einer Immobilie durch den Betrieb verursacht werden und „nur“ 20 Prozent durch die Erstinvestition. Für Emissionen gilt dasselbe. Das Beeinflussungspotenzial (d.h. das Verhältnis von planerischen/baulichen Massnahmen und entsprechendem Kostenaufwand) verhält sich aber naturgemäss gerade umgekehrt proportional (siehe Grafiken). Trotzdem werden Aufträge fast immer aufgrund der Investition und nicht aufgrund einer umfassenden Lebensdauerbetrachtung vergeben. Eine sorgfältige Evaluation aller Aspekte während der Entwicklungsphase bedeutet je nachdem zwar eine höhere Erst-Investition. Mittel- und langfristig fallen jedoch geringere Jahreskosten an und das Risiko kann insgesamt gesenkt werden.  

In Kürze

  • Labels ermöglichen die Vergleichbarkeit von verschiedenen Angeboten
  • Insbesondere in Bezug auf den Energieverbrauch ist eine Life-Cycle-Betrachtung sinnvoll.
  • Labels dürfen nicht Selbstzweck sein
  • Über die gesamte Lebensdauer einer Immobilie betrachtet, können mit der richtigen Erstinvestition Kosten gespart werden. 

Optimierungs-
potenzial